Positionspapier2024DeutschOpen Access

Handlungsempfehlung für die Bildungsverwaltung zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz in schulischen Bildungsprozessen

Kultusministerkonferenz (KMK) (Hrsg.)

Kultusministerkonferenz (KMK)

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Abstract

Eigene Zusammenfassung: Die Handlungsempfehlung der Kultusministerkonferenz (KMK), beschlossen am 10. Oktober 2024, ist das erste koordinierte Steuerungsdokument der deutschen Landesbildungsminister:innen zum Thema Künstliche Intelligenz in der Schule. Das Dokument gliedert sich in fünf Handlungsfelder: Erstens sollen KI-Anwendungen Lehrkräfte bei Unterrichtsvorbereitung und -durchführung entlasten und personalisiertes Lernen ermöglichen. Zweitens werden Prüfungsformate thematisiert — Schulen und Länder müssen Formate entwickeln, die KI-Nutzung angemessen berücksichtigen, ohne akademische Integrität zu untergraben. Drittens wird systematische Lehrkräftefortbildung zu KI als unverzichtbar für eine gelingende Integration benannt. Viertens sind rechtliche Rahmenbedingungen zu klären — insbesondere Datenschutz, Persönlichkeitsrechte der Lernenden und urheberrechtliche Fragen beim Einsatz von KI-Systemen. Fünftens setzt das Dokument Chancengerechtigkeit als verbindliches Ziel: Alle Schüler:innen, unabhängig von sozioökonomischem Hintergrund und Wohnort, sollen die Möglichkeit erhalten, KI-Kompetenzen zu entwickeln. Das Dokument richtet sich primär an Bildungsverwaltungen der 16 Bundesländer und deren nachgeordnete Stellen, entfaltet aber durch diese Zielgruppe Wirkung bis in einzelne Schulen.

Einordnung

Die KMK-Handlungsempfehlung ist das meistzitierte bildungspolitische Referenzdokument für KI in deutschen Schulen — wer Konzepte für KI-Integration in schulischen Kontexten des deutschsprachigen Raums liest, stösst unweigerlich darauf. Es ist der institutionelle Orientierungsrahmen, den Landesinstitute, Schulbehörden, Schulträger und Lehrpersonenverbände verwenden, wenn sie eigene Positionierungen erarbeiten. Diese Rolle unterscheidet das Dokument von akademischen Forschungsberichten: Es ist kein Erkenntnisfortschritt, sondern eine gemeinsam abgestimmte Handlungsorientierung — und als solche ist es für den deutschen Bildungsdiskurs prägend, unabhängig davon, ob man seinen Empfehlungen inhaltlich zustimmt.

Die inhaltliche Position ist bewusst konsensorientiert und systemstabilisierend: Das Dokument vermeidet die grossen ideologischen Debatten rund um KI und Bildung und fokussiert auf fünf Handlungsfelder, die in Schulen und Bildungsverwaltungen unmittelbar virulent sind. Damit steht es in einer anderen Logik als akademische Texte (Selwyn, Scheiter, Rabenstein) oder internationale Rahmenpapiere (OECD, UNESCO): Es muss zwischen 16 Bundesländern mit unterschiedlichen KI-Strategien, verschiedenen Schultypen und divergierenden politischen Mehrheiten anschlussfähig sein. Das erklärt, warum bestimmte Spannungen — etwa zwischen Datenschutz und KI-Nutzung oder zwischen Effizienzgewinnen für Lehrkräfte und Risiken der Deskilling — nur angesprochen, aber nicht aufgelöst werden.

Im Vergleich zur Educa-Datennutzungspolitik (CH 2025) ist die KMK-Empfehlung breiter angelegt: Educa fokussiert auf Datengovernance und algorithmische Systeme im Schweizer Bildungsraum; die KMK adressiert zusätzlich Unterrichts- und Prüfungsformate sowie Lehrkräftefortbildung. Beide Dokumente übersetzen den internationalen Rahmen (OECD, EU-Rat, UNESCO) in nationale Kontexte. Für eine Bibliothek, die den DACH-Raum abdecken will, ist die KMK-Empfehlung als deutsches Gegenstück zur Educa-Publikation unverzichtbar — auch wenn das Dokument bereits Oktober 2024 stammt und damit kein News-Charakter mehr hat. Es ist ein Standardwerk, das in der bisherigen Bibliothek fehlte.

Leseempfehlung

Unverzichtbar für alle, die schulische KI-Konzepte, Fortbildungsangebote oder Beratungsleistungen für deutsche Schulkontexte entwickeln. Für Schweizer Bildungsverantwortliche als Komparative wertvoll — das Nachbarland stellt dieselben Strukturfragen und formuliert seine Antworten in einer für den DACH-Raum charakteristischen föderalen Logik. In Kombination mit der BMBF-Handreichung (Scheiter et al. 2025) und dem BIBB-Datenreport 2026 bildet die KMK-Empfehlung das bildungspolitische Fundament für eine vollständige Einordnung von KI in deutschen schulischen und berufsbildenden Kontexten.

Zielgruppe:VolksschuleSek ISek IIBerufsbildungHochschuleBildungspolitik
Perspektive:BildungspolitischPraxisorientiert
Themen:#ki-schule#bildungspolitik#lehrerfortbildung#datenschutz#chancengerechtigkeit#deutschland

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Aufgenommen: 28. Juli 2026

Beschluss vom 10.10.2024; als zentrales DE-Referenzdokument trotz Alter aufgenommen (Gap-Fill). Seitenzahl aus PDF nachzutragen.