Baden-Württemberg: Zwei staatliche KI-Lösungen für alle Schulen — «Informatik und Medienbildung» wird Pflichtfach
Baden-Württemberg stellt allen Schulen zwei staatliche KI-Applikationen bereit: «F13» läuft auf eigener Landesinfrastruktur und erfüllt DSGVO-Anforderungen; «telli» erlaubt Lehrkräften, individuelle KI-Assistenten und interaktive Lernszenarien zu konfigurieren. Gleichzeitig wird «Informatik und Medienbildung» ab dem Schuljahr 2025/26 Pflichtfach in den Klassen 5–10/11. Das KI-Zentrum Schule in Heilbronn bietet über 240 Fortbildungsangebote an — ein Modell, das auch für Schweizer Kantone als Orientierung dienen kann.
EdTech Hub Trendreport: Unkontrollierte KI-Nutzung, wachsende Ungleichheit und Bildungsziele in Tech-Händen
Der Trendreport «Learners in the Age of AI» (EdTech Hub, April 2026) identifiziert drei strukturelle Risiken: Schülerinnen und Schüler nutzen KI flächendeckend ohne Wissen der Eltern; KI-Personalisierung vertieft die Schere — wohlhabende Lernende bekommen KI plus Lehrperson, benachteiligte nur KI; der dominante «Skills-Gap»-Diskurs droht Bildungsziele in die Hände von Technologiekonzernen zu legen. Der Report plädiert für eine bewusste Reflexion über den Zweck von Bildung, bevor Systeme für eine ungewisse KI-Zukunft optimiert werden.
Welt-Debatte: KI nimmt uns das eigenständige Denken ab — Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft
Die Rechtswissenschaftlerin Frauke Rostalski und Erik Weiss warnen in der Welt: Generative KI greift nicht nur Prüfungsgerechtigkeit an, sondern die Fähigkeit zu kritischem Denken insgesamt. Wer mit einem Prompt ganze Seminararbeiten generiert, verliert die Mündigkeit, die eine liberale Gesellschaft braucht. Sie verweisen auf den AI Safety Report 2026 und fordern, KI-Nutzung in Bildung nicht nur zu regulieren, sondern die kognitive Eigenleistung aktiv zu schützen.
EU AI Act: Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte gilt ab August 2026
Ab dem 2. August 2026 greift die Transparenzpflicht des EU AI Acts (Art. 50 KI-VO): KI-generierte Texte, Bilder, Videos und Audioinhalte müssen als solche gekennzeichnet werden. Nutzer müssen erkennen können, wenn sie mit einem KI-System kommunizieren. Deepfakes sind in jedem Fall zu markieren. Für KMU gelten erleichterte Dokumentationspflichten. Für Schweizer Bildungsinstitutionen, die EU-konforme Tools einsetzen, wird dies relevant.
NZZ-Gastkommentar: Mündigkeit statt Kompetenz — was Bildung im KI-Zeitalter leisten muss
Der Philosoph Jörg Noller argumentiert in der NZZ, dass die gängige Debatte um 'AI literacy' zu kurz greift. Generative KI sei kein neutrales Werkzeug wie ein Taschenrechner — sie greife direkt in Prozesse des Denkens, Urteilens und Entscheidens ein. Statt nur KI-Kompetenzen zu vermitteln, müsse Bildung die Frage stellen, wer im Prozess des Urteilens die Autorität behält. Sein Vorschlag: Mündigkeit als Bildungsziel wiederentdecken.
Comparis-Studie: 76% der Schweizer Bevölkerung nutzen KI — aber grosse Skepsis bei persönlichen Daten
Laut einer repräsentativen Comparis-Umfrage unter 1'035 Personen nutzen 2026 bereits 76% der erwachsenen Schweizer Bevölkerung KI-Tools im Alltag (2025: 62,4%). Bei 18–35-Jährigen liegt die Rate bei 90,1%. Gleichzeitig zeigt sich grosse Skepsis: 55,5% würden einem Chatbot niemals psychische Probleme anvertrauen, über die Hälfte lehnt die Weitergabe persönlicher Gesundheitsdaten ab. Die Westschweiz nutzt KI stärker als die Deutschschweiz.
Thüringen: Datenschutzkonforme KI «telli» steht ab sofort allen Schulen zur Verfügung
Thüringen hat den KI-Chatbot «telli» über das Landesschulportal für alle Lehrkräfte und Schüler:innen freigeschaltet. Die im Rahmen des DigitalPakt Schule entwickelte Anwendung läuft pseudonymisiert auf EU-Servern — Nutzungsdaten werden weder an Dritte weitergegeben noch für KI-Training verwendet. Lehrkräfte können individuelle KI-Assistenten konfigurieren und per QR-Code mit Schüler:innen teilen. Ein Modell, das auch für Schweizer Kantone als Vorbild dienen könnte.
Berlin: Neues Schulgesetz regelt erstmals KI-Einsatz und digitale Klassenbücher
Berlins Bildungssenatorin Günther-Wünsch hat eine Novelle des Schulgesetzes vorgelegt, die erstmals den Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schulen rechtlich regelt. Neben KI umfasst das Gesetz auch digitale Klassenbücher, Zeugnisse und Schülerausweise sowie verpflichtende Vergleichstests von Klasse 1 bis 10 für eine datengestützte Schulentwicklung.
US-Lehrergewerkschaft: Scharfe Kritik an Melania Trumps Vision von Roboter-Lehrern
Am Bildungsgipfel im Weissen Haus präsentierte First Lady Melania Trump den humanoiden Roboter «Figure 03» als Zukunft personalisierter Bildung. Die Gewerkschaftspräsidentin Randi Weingarten (AFT) widersprach scharf: «Das ist der Albtraum aller Eltern.» KI könne ein Werkzeug sein, aber niemals die menschliche Beziehung im Klassenzimmer ersetzen. Selbst konservative Elterngruppen wie Moms for Liberty warnen inzwischen vor zu viel Technik in Schulen.
Wenn der KI-Vorwurf das Studium beendet: Erstes deutsches Gericht entzieht Prüfungsrecht wegen KI-Verdacht
Ein Informatikstudent verliert durch ein Urteil des Verwaltungsgerichts Kassel sein gesamtes Prüfungsrecht — die Bachelorarbeit wurde wegen vermuteter KI-Nutzung als Täuschung gewertet. Rund sechs ähnliche Fälle gibt es bisher, alle zuungunsten der Prüflinge. Experten kritisieren das Fehlen bundeseinheitlicher Regelungen: Was als erlaubte KI-Nutzung gilt, variiert massiv zwischen Professorinnen und Institutionen — KI-Erkennungssoftware ist dazu unzuverlässig und dient nur als Anfangsverdacht.
Österreich beschliesst Social-Media-Verbot bis 14 und KI-Kompetenz im Lehrplan
Die österreichische Bundesregierung hat sich auf ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige geeinigt. Gleichzeitig wird die AHS-Oberstufe ab 2027/28 reformiert: Mehr Unterricht zu Medienkompetenz, Demokratie und KI-Umgang — dafür weniger Latein. Vizekanzler Babler betont die Schutzfunktion, Bildungsminister Wiederkehr die Notwendigkeit bewusster Mediennutzung. Ein Gesetzesentwurf zur Altersverifikation soll bis Ende Juni vorliegen.
Kanton Schwyz: SVP-Kantonsrat fordert mit Interpellation Antworten zum KI-Einsatz an Schulen
SVP-Kantonsrat Ueli Kistler hat zusammen mit drei weiteren Ratsmitgliedern eine Interpellation zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz an Schwyzer Schulen eingereicht. Sie wollen vom Regierungsrat wissen, wie KI aktuell genutzt wird und welche Strategie es gibt. Der Vorstoss reiht sich in eine wachsende Zahl kantonaler Anfragen ein — nach St. Gallen stellt nun auch Schwyz Grundsatzfragen.
Zurück zu Sokrates: US-Universitäten setzen auf mündliche Prüfungen gegen KI-Betrug
Immer mehr US-Hochschulen wie Cornell, Penn und NYU führen mündliche Prüfungen ein, weil schriftliche Arbeiten zunehmend KI-generiert sind. «Perfekte Hausaufgaben, leere Blicke» — so beschreiben Dozierende das Problem: Studierende können ihre eigenen Arbeiten nicht mehr erklären. Die Rückkehr zur ältesten Prüfungsform der Welt zeigt, wie tiefgreifend KI das Hochschulwesen verändert.
SRF-Recherche: Braucht die Schweiz nationale KI-Regeln für Schulen?
Eine SRF-Umfrage bei Kantonen zeigt ein uneinheitliches Bild beim Umgang mit KI an Schulen — von detaillierten Richtlinien bis zu fast keiner Auseinandersetzung. Der Präsident der Schweizer Schulleitungen fordert ein nationales Framework. Die St. Galler Bildungsdirektorin Surber unterstützt eine interkantonale Koordination, während der Aargau auf kantonale Eigenständigkeit pocht. Der Bildungsbericht zeigt: Nur noch 1–2% der 15-Jährigen schneiden in PISA-Tests besser ab als ChatGPT.
Telepolis-Analyse: KI im Studium reduziert Synapsenbildung — Copy-and-Paste-Mentalität grassiert
Eine Telepolis-Analyse fasst die wachsende Kritik an KI-Nutzung im Hochschulbereich zusammen. Generationenforscher Hartwin Maas warnt: Die massive Nutzung von ChatGPT reduziere die Synapsenbildung im Gehirn. Soziologie-Studierende lesen keine Bücher mehr, sondern laden nur noch Texte hoch. Eine CHE-Studie zeigt: Der Anteil Studierender, die noch nie KI genutzt haben, liegt im einstelligen Prozentbereich. Die Kluft zwischen KI-Nutzung und KI-Verständnis wächst.
Kanton St. Gallen: Interpellation fordert KI-Strategie für das gesamte Bildungswesen
Drei Kantonsrät:innen haben eine Interpellation eingereicht, die eine klare KI-Strategie für St. Galler Schulen verlangt — von der Volksschule bis zur Hochschule. Im Zentrum stehen sechs Fragen: ab welcher Stufe KI-Kompetenzen vermittelt werden sollen, wie Abschlussarbeiten trotz KI individuelle Leistung sicherstellen, und ob Schutzmechanismen gegen Missbrauch (z.B. KI-generierte Fake-Bilder) geplant sind. Andere Kantone wie Zürich und Basel-Landschaft haben bereits Leitlinien.
Philologenverband warnt: KI-gestützte Korrekturen in Schulen bergen erhebliche Risiken
Die FDP in NRW will KI-gestützte Korrekturen von Klassenarbeiten im Regelfall einführen — der Philologenverband widerspricht scharf. Landesvorsitzende Sabine Mistler betont: «Die abschliessende Bewertung und Notenvergabe müssen uneingeschränkt in der Hand der Lehrkraft bleiben.» Während die FDP KI als Entlastung sieht, warnt der Verband vor einer Automatisierung, die fachliche und pädagogische Standards gefährdet.
New York City: KI-Playbook für 1'600 Schulen — Notenvergabe per KI verboten
Das grösste Schulsystem der USA hat sein erstes offizielles KI-Regelwerk veröffentlicht. Das «Ampel-Modell» erlaubt Lehrkräften KI für Unterrichtsplanung und Brainstorming (grün), beschränkt Recherche (gelb) und verbietet Notenvergabe und Disziplinarmassnahmen durch KI (rot). Chancellor Samuels betont: «Wir brauchen starke Leitplanken und Datenschutz.» Ein Modell, das auch für Schweizer Kantone interessant sein dürfte.
Bildungsbericht Schweiz 2026: «KI bleibt ein stumpfes Werkzeug in den Händen mittelmässiger Anwender»
Der fünfte Bildungsbericht Schweiz wurde am 23. März von SKBF, Bundespräsident Parmelin und EDK-Präsident Darbellay vorgestellt. Auf 400 Seiten zeigt er: Das Bildungsziel von 95% Sek-II-Abschlüssen wird mit 90,1% verfehlt. Bildungsforscher Stefan Wolter betont, dass KI fachliche Kompetenzen nicht ersetzt, sondern noch wichtiger macht. Gleichzeitig steht das System unter Spar- und Digitalisierungsdruck.
Forsa-Studie: 88% der Lehrkräfte haben kaum KI-Kenntnisse — 78% sehen keine Zeit für Weiterbildung
Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Telekom-Stiftung unter 1'000 Lehrkräften in Deutschland zeigt: 88% geben an, nur wenige oder gar keine Kenntnisse im Umgang mit KI-Regelungen zu haben. 78% halten es für ausgeschlossen, sich neben ihren regulären Aufgaben mit KI-Anwendungen zu beschäftigen. Gleichzeitig nutzen Schüler:innen KI längst routinemässig für Hausaufgaben. Die GEW spricht von einer «allein gelassenen Lehrerschaft».
Phänomena 2026: Wissenschaftsausstellung in Dietikon macht KI und Robotik erlebbar
Nach 42 Jahren ist die legendäre Wissenschaftsausstellung Phänomena als Wanderausstellung zurück — mit Fokus auf KI und Robotik. In Dietikon können Besucher:innen ab 8 Jahren auf 2'000 m² interaktiv erleben, wie KI funktioniert: vom digitalen Zwilling bis zu seilspringenden Robotern. Die Ausstellung verbindet das Motto «Lernen durch Erleben» mit aktuellen Technologiethemen und richtet sich gezielt auch an Schulklassen.
ZHAW-Projekt: KI-Kompetenz beim Deutschlernen — kritische Medienkompetenz für Migrant:innen
Ein Praxisprojekt der ZHAW in Kooperation mit dem SAH Schaffhausen vermittelt schulungewohnten Migrant:innen (16–25 Jahre) in Juma-Kursen den kritisch-reflektierten Umgang mit KI-Tools beim Sprachenlernen. Statt nur Tools vorzustellen, werden Funktionsweise und Grenzen von KI thematisiert. Das Projekt zeigt einen praxisnahen Ansatz für digitale Teilhabe im Integrationsbereich.
Bajour-Debatte: Nehmen Basler Schulen den Umgang mit KI genug ernst?
Ein Bajour-Beitrag aus Basel löst eine breite Debatte aus: Lehrpersonen, Eltern und IT-Fachleute kritisieren, dass KI-Kompetenz nicht im Lehrplan 21 verankert ist — während Schüler:innen auf ihren Schultablets freien Zugang zu Copilot haben. ICT-Lehrpersonen beklagen fehlende Mittel für KI-Infrastruktur. Die zentrale Forderung: Medienkompetenz muss die Grundlage für jede KI-Nutzung sein.
EU-Rat einigt sich auf Position: Hochrisiko-KI-Regeln für Bildung könnten um 16 Monate verschoben werden
Am 13. März 2026 hat der EU-Rat seine Verhandlungsposition zum «Omnibus VII»-Paket beschlossen: Die Anwendung der Hochrisiko-Regeln des AI Acts — auch für KI-Systeme im Bildungsbereich — könnte um bis zu 16 Monate nach hinten verschoben werden. Gleichzeitig sollen KMU-Erleichterungen ausgeweitet und die Befugnisse des AI Office gestärkt werden. Der Trilog mit Parlament und Kommission beginnt in Kürze.
Hamburger Gymnasium baut KI-Curriculum auf: Chatbot «Marie Curie» lehrt Denken statt Mogeln
Am Gymnasium Allee in Hamburg-Altona entwickelt ein Lehrer KI-Chatbots, die nicht Antworten liefern, sondern Schüler:innen zum eigenständigen Denken anleiten. Der Chatbot «Marie Curie» antwortet auf Hausaufgaben-Prompts: «Ich helfe dir — aber ich mache sie nicht für dich.» Die Schule unterscheidet fünf Modi des Lernens mit KI und baut ein durchgängiges Curriculum von Jahrgang 5 bis 12 auf.
Pro Juventute-Studie: Jeder 10. Jugendliche sucht bei Sorgen Hilfe bei ChatGPT
Die neue Jugendstudie von Pro Juventute zeigt: 10% der Schweizer Jugendlichen wenden sich bei psychischen Sorgen an KI wie ChatGPT — ähnlich viele wie an die Notrufnummer 147. Pro Juventute-Direktorin Nicole Platel warnt: «Eine KI kann Empathie nur simulieren. Es besteht die Gefahr, dass man in einer Endlosschleife hängen bleibt.» Besonders junge Frauen sind stärker belastet.
Stadt Zürich lanciert «ZüriA»: Datenschutzkonforme KI-Assistenz auf Open-Source-Basis
Die Stadt Zürich hat mit «ZüriA» eine eigene KI-Assistenz für ihre Mitarbeitenden lanciert. Die Lösung basiert auf Open-Source-Sprachmodellen und verarbeitet alle Daten ausschliesslich innerhalb der städtischen Rechenzentren — auch vertrauliche und streng vertrauliche Informationen. Die KI unterstützt bei Textarbeit, Übersetzungen und Zusammenfassungen. Ein Modell, das auch für Bildungsinstitutionen wegweisend sein könnte.
LockBit-Angriff: Zeugnisse und Gesundheitsdaten von 40+ Schulen im Darknet
LockBit-Kriminelle haben über 2 Terabyte Daten von mehr als 40 Schulen in Rheinland-Pfalz im Darknet veröffentlicht — darunter Zeugnisse, Fehlzeiten und Gesundheitsdaten. Ein Schüler hatte zuvor auf Sicherheitslücken hingewiesen, seine Warnungen wurden ignoriert. Der Fall zeigt die eklatanten Defizite bei der IT-Sicherheit im Schulbereich und wirft Fragen zum Datenschutz auf, die auch für Schweizer Schulen relevant sind.