Künstliche Intelligenz für Lehrkräfte: Eine fachliche Einführung mit didaktischen Hinweisen
Springer Fachmedien Wiesbaden · 236 S.
Abstract
Eigene Zusammenfassung: Das Buch schliesst eine klare Lücke: Es erklärt Lehrkräften — auch ohne vertiefte Informatikkenntnisse — wie KI-Systeme tatsächlich funktionieren, und zeigt direkt daran anschliessend, was das für den Unterricht bedeutet. Behandelt werden Problemlösung und Suche, maschinelles Lernen, Wissensrepräsentation, neuronale Netzwerke, Deep Learning, generative KI und Robotik. Jedes Kapitel folgt einer konsistenten Struktur: fachliche Einführung, Anwendungsbeispiele aus der Praxis, konkrete Hinweise zur Unterrichtsgestaltung, fächerübergreifende Bezüge und ethisch-gesellschaftliche Reflexion. Das Werk richtet sich primär an Informatiklehrkräfte sowie an Lehrpersonen anderer Fächer, die KI in ihr Unterrichtsfach integrieren wollen. Es entstand aus einem Verbund von KI-Professuren und Informatikdidaktikzentren der Universitäten Bamberg, Koblenz, Potsdam und der TU München.
Einordnung
Dieses Buch füllt eine Lücke, die in der Diskussion um KI und Bildung systematisch übersehen wird: Die grossen Strategiepapiere und Kompetenzbeschreibungen (UNESCO, OECD, EDK) sagen, was Lehrpersonen über KI wissen und können sollen — dieses Buch sagt tatsächlich, wie. Es setzt ein fachlich ernstzunehmendes Niveau voraus, bleibt aber didaktisch zugänglich, und zwar durch die konsequente Verzahnung von technischem Verständnis und Unterrichtspraxis. Das ist kein popularisierendes «ChatGPT erklärt»-Buch, sondern ein Fachbuch für Lehrprofis.
Die vier Herausgebenden vertreten etablierte Forschungsprogramme der deutschen KI-Didaktik — Ute Schmid (Kognitive Systeme Bamberg), Tilman Michaeli (Informatikdidaktik TU München). Der Ansatz ist bewusst apolitisch gegenüber dem Technologieeinsatz: Er verzichtet sowohl auf Euphorie als auch auf pauschale Kritik und setzt stattdessen auf technische Souveränität als Bildungsziel. Das macht das Werk zur Ergänzung, nicht zum Gegensatz, zu kritisch-theoretischen Texten wie Rabenstein/Macgilchrist oder Selwyn — wer KI im Unterricht kritisch begleiten will, muss zuerst verstehen, was diese Systeme eigentlich tun.
Im DACH-Kontext ist die Reihe «ars digitalis» (Springer) zunehmend das Referenz-Format für Lehrerbildung im Bereich Digitalisierung. Das Buch dürfte in PH-Curriculum und Fortbildungsmodulen als Standardwerk etabliert sein und konkurriert dort mit dem breiter angelegten Brägger/Rolff-Handbuch — allerdings mit einer deutlich stärkeren fachlichen Tiefe auf der KI-Seite.
Leseempfehlung
Für Informatiklehrkräfte und Lehrpersonen mit MINT-Hintergrund, die KI fachlich fundiert unterrichten wollen. Auch für PH-Dozentinnen und Dozenten, die Lehrerbildungsmodule zu KI entwickeln. Wer das konzeptuelle Fundament für eine kritische Auseinandersetzung mit KI legen will, liest dieses Werk zuerst — und greift danach zu Selwyn oder Rabenstein/Macgilchrist für die gesellschaftlich-theoretische Dimension.