Digital Degrowth: Radically Rethinking our Digital Futures
Polity · 176 S.
Abstract
Selwyn plädiert für eine radikale Neuausrichtung digitaler Technologien und Praktiken — nicht für weniger Technologienutzung, sondern für ein Re-Imagining entlang Degrowth-Prinzipien: Konvivialität, technologische Autonomie und Sorgearbeit (Care). Ziel sind digitale Infrastrukturen, die menschliches Wohlergehen fördern und mit minimalen ökologischen und sozialen Kosten auskommen. Das Werk verbindet die Technologiekritik mit der breiteren Degrowth-Bewegung und stellt die Prämissen von Plattformkapitalismus, Effizienz-Orthodoxie und wachstumsbasierter Innovation in Frage. Für den Bildungsbereich bedeutet das: weg vom Solutionismus, hin zu lokal verankerten, maßvollen digitalen Ökosystemen.
Einordnung
Selwyn ist derzeit eine der prägendsten kritischen Stimmen im Feld „Education & Technology". Das Buch ist keine reine Bildungsbezogene-Monographie, aber genau deshalb wertvoll für den theoretischen Rahmen unabhängiger Bildungsbeobachtung: Es bietet das begriffliche Instrumentarium, um den „Techno-Solutionismus" im Schul- und Hochschuldiskurs sauber zu adressieren — ohne Alarmismus, mit Vorschlag statt nur Verweigerung.
Anschluss-Lektüre innerhalb der Selwyn-Schule: Ben Williamson, Felicitas Macgilchrist, Luci Pangrazio — diese Autor:innen zitieren sich permanent, ein Großteil der aktuellen kritischen EdTech-Forschung operiert in dieser Nachbarschaft. Bereits angekündigt ist Selwyns direkter bildungsspezifischer Nachfolger: „Education in the Age of AI: The Challenge of Thinking Differently" (Polity 2027).
Leseempfehlung
Für Forschende und Bildungspolitik-Akteur:innen, die den vorherrschenden Effizienz-Diskurs rund um KI nicht einfach übernehmen, sondern theoretisch fundiert hinterfragen wollen. Besonders anschlussfähig, wenn ökologische und gerechtigkeits-politische Fragen an digitale Bildung gestellt werden sollen.