Nutzung generativer KI in der Bevölkerung: Befragung zur Internetnutzung 2025
Bundesamt für Statistik (BFS) · 4 S.
Abstract
Eigene Zusammenfassung: Die 4-seitige BFS-Aktuell-Publikation aus der Reihe «Statistik der Schweiz» (BFS-Nummer 823-2500, DOI 10.71668/xy4n-xq95) präsentiert zentrale Befunde der Omnibus-Erhebung zur Internetnutzung 2025 (3000 Personen, 15-88 Jahre). 47 % der 16- bis 74-Jährigen in der Schweiz haben in den drei Monaten vor der Befragung generative KI-Anwendungen genutzt — Rang 3 in Europa hinter Norwegen (56 %) und Dänemark (48 %), deutlich über dem EU-Durchschnitt (33 %). Bei den 16- bis 24-Jährigen beträgt der Anteil 79 % (EU-27: 64 %). Generative KI wird am häufigsten privat verwendet (38 % der Gesamtbevölkerung 15-88 Jahre), gefolgt von beruflicher Nutzung (31 %) und Bildungsnutzung (19 %); bei der beruflichen Nutzung durch KI-Anwender:innen führt die Schweiz Europa mit 73 % an, gefolgt von Norwegen (64 %) und dem EU-Mittelwert (46 %). Markant sind Bildungsgradienten (28 % bei niedriger, 51 % bei hoher formaler Bildung), Alters-Unterschiede sowie ein Stadt-Land-Gefälle (52 % urban, 36 % ländlich mit geringer Bevölkerungsdichte). Nach Berufsart heben sich intellektuelle und wissenschaftliche Berufe (67 %) sowie Führungskräfte (63 %) von Dienstleistungsberufen (42 %), Handwerk (38 %) und Hilfsarbeitskräften (23 %) ab. Zur Nutzungshäufigkeit: 36 % der Anwender:innen nutzen generative KI täglich oder fast täglich, weitere 34 % mindestens wöchentlich.
Einordnung
Die Publikation schliesst eine empirische Lücke, die im Schweizer Bildungsdiskurs bislang durch Plausibilitätsannahmen gefüllt wurde: Wie verbreitet ist generative KI tatsächlich — und bei wem? Die Antwort ist für die Bildungspolitik unbequem konkret: Nicht der Zugang zu Technologie entscheidet, sondern Bildungsniveau, Alter und Wohnort. Wer ohnehin hohe Bildungsressourcen hat, nutzt KI fast doppelt so häufig wie Personen mit niedriger formaler Bildung — ein Matthew-Effekt, den die Digitalisierung nicht abbaut, sondern zementiert.
Für die bildungspolitische Debatte bedeutet das: Die oft diffuse Sorge vor einer KI-Kompetenzlücke wird sozial präzise verortbar. Gleichzeitig relativieren die Zahlen zur beruflichen Nutzung (CH international an der Spitze) die Annahme, KI sei primär ein Schul- oder Hochschulthema — sie ist längst ein Arbeitsmarktthema mit direktem Rückkoppelungsdruck auf die formale Bildung. Die sehr hohe Nutzungsrate bei den 16- bis 24-Jährigen (79 %) und der Befund, dass drei Viertel der Lernenden KI «im Rahmen der formalen Bildung» einsetzen, macht klar: Berufsbildung, Sek II und Hochschule entscheiden nicht mehr über das «Ob», sondern über das «Wie».
Ergänzend zum OECD Digital Education Outlook 2026, der den internationalen Policy-Rahmen setzt, liefert diese BFS-Publikation die nationale Bestandsaufnahme. Für DACH-spezifische Bildungsdebatten ist sie derzeit die verlässlichste Zahlengrundlage auf Bevölkerungsebene.
Leseempfehlung
Für EDK, kantonale Bildungsdirektionen, PH-Leitungen, Berufsbildungsverantwortliche, Hochschul-Strategiestäbe und Forschende, die ihre Argumentation mit CH-spezifischen Zahlen absichern müssen. Auch für EdTech-Akteure relevant, die Verteilungseffekte ihrer Produkte entlang Bildungsniveau und Region antizipieren wollen. Besonders wertvoll im direkten Vergleich mit dem OECD Digital Education Outlook 2026 (internationaler Rahmen) und dem UNESCO AI Competency Framework for Teachers 2024 (normativer Kompetenzrahmen): Zusammen bilden die drei Texte den politisch-empirischen Dreiklang für aktuelle Strategiearbeit zu KI in der Bildung.