Paper2026EnglischPeer-reviewed

The (im)possibility of AI literacy

Luci Pangrazio

Learning, Media and Technology (Taylor & Francis)

DOI: 10.1080/17439884.2026.2615553Zum Werk

Abstract

Eigene Zusammenfassung: Pangrazio stellt die im aktuellen Bildungsdiskurs zunehmend selbstverständliche Antwort «AI literacy» grundsätzlich in Frage. Sie argumentiert, dass der Literacy-Begriff im Kontext generativer KI gleichzeitig zu eng und zu weit gefasst werde: zu eng, weil er die politisch-ökonomischen Strukturen der Plattformökonomie nicht erfasst, in die KI-Systeme eingebettet sind; zu weit, weil er völlig heterogene Praktiken — vom Prompten bis zur algorithmischen Selbstverteidigung — unter einem Dach bündelt. Besonders kritisch sieht Pangrazio die Vereinnahmung des Literacy-Begriffs durch kommerzielle Tech-Konzerne (Microsoft, Google, OpenAI), deren «AI literacy»-Programme primär auf Compliance und Produktivität für die eigenen Produkte zielen — eine Form von «soft governance», die kritische Auseinandersetzung mit KI als Geschäftsmodell systematisch verfehlt. Pangrazio plädiert für eine pluralere, machtkritisch informierte Konzeption, die an die Tradition der Critical Digital Literacy (mit Selwyn) anknüpft, statt sie durch ein neues, technisch verengtes AI-Literacy-Vokabular zu ersetzen.

Einordnung

Der Aufsatz markiert eine wichtige Gegenstimme im rasch konsolidierenden AI-Literacy-Diskurs. Gegen Frameworks wie das OECD-EC AILit Framework (noch im Review-Draft) oder das UNESCO AI Competency Framework for Teachers (2024), die Literacy operationalisierbar machen wollen, fragt Pangrazio nach den Voraussetzungen und Folgekosten dieser Operationalisierung selbst. Wo die institutionellen Frameworks auf Konsensbildung zielen, zielt Pangrazio auf Begriffsschärfe — und nimmt dafür in Kauf, dass die Antwort «Literacy reicht nicht» bildungspolitisch unbequem ist.

Theoretisch steht der Text in der Linie kritischer Medienpädagogik (Selwyn, Williamson, Macgilchrist) und der eigenen früheren Arbeiten zu Critical Data Literacies (Pangrazio/Selwyn 2019, 2023). Der Soft-Governance-Begriff ist ein Anschluss an die Postdigital Studies und an Foucault'sche Gouvernementalitätsanalysen, ohne diese terminologisch in den Vordergrund zu stellen. Die zentrale Pointe — dass kommerzielle Akteure im Vakuum unzureichend ausgearbeiteter staatlicher Curricula die Definitionsmacht über AI Literacy übernehmen — ist empirisch unmittelbar anschlussfähig an die laufende Debatte um Microsoft Copilot in Schulen und ChatGPT-EDU im Hochschulbereich.

Der Aufsatz bildet das kritisch-theoretische Pendant zu den frameworkbasierten Werken (UNESCO Competency Framework, Brägger/Rolff Handbuch).

Leseempfehlung

Für PH-Dozierende und Curriculum-Verantwortliche, die AI-Literacy-Frameworks nicht nur adaptieren, sondern auch problematisieren wollen. Auch für Forschende im Bereich critical EdTech, Postdigital Studies und Medienpädagogik relevant. Für die Praxisebene (Lehrpersonen Volksschule/Sek I) eher zu abstrakt — dort sinnvoller über sekundärrezipierende Quellen vermitteln.

Zielgruppe:ForschungHochschuleBildungspolitik
Perspektive:KritischTheoretisch
Themen:#ki-literacy#kritische-medienpaedagogik#soft-governance#plattformkritik#begriffsanalyse

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Aufgenommen: 28. Juli 2026

Online-First 17.02.2026, Heftzuordnung (Volume/Issue/Pages) ausstehend. Volltext paywalled, Preprint auf ResearchGate; OA-Status unklar → open_access:false.